"10 Minuten reden, nicht 12"

Präsentieren:

Mit Jim Keane sprach  Helene Endres
7. Februar 2019
Steelcase

Sie haben auf dem Peter Drucker Forum gerade einen Vortrag gehalten - frei, unterhaltsam, klar strukturiert. Sie selbst wirkten dabei locker und entspannt. Hat es sich auch so angefühlt?

Keane: Ganz klar: Nein. Diese Präsentation heute war harte Arbeit. Gerade weil sie mit 9 Minuten so kurz war. Das ist oft anstrengender als eine Rede von 30 Minuten. Ich muss mich sehr fokussieren, darf nicht abschweifen. Bei der Vorbereitung starte ich mit einem langen Text, den ich immer mehr zusammenfasse. Das hilft mir, meine Gedanken zu ordnen. Wenn ich dann auf die Bühne gehe, weiß ich, welche Geschichte ich erzählen will, aber nicht, was ich genau sagen werde - denn ich nehme kein Manuskript mit, nicht mal Notizen. Ich habe eine Karte im Kopf, wie ich von A nach B komme. Die laufe ich dann Punkt für Punkt ab. Manchmal fällt mir in der Hälfte des Vortrags ein, dass ich was vergessen habe, und ich überlege, wie ich elegant dorthin zurückkomme. Manchmal gelingt es mir, manchmal nicht.

Wie oft üben Sie eine Rede vorab?

Keane: Die Rede heute habe ich in den letzten 24 Stunden bestimmt fünfmal gehalten. Ich achte dabei sehr auf meine Zeit. Wenn man mir zehn Minuten gibt, spreche ich nicht zwölf, sondern neun - als professioneller Speaker bin ich auch für die Dauer der Rede verantwortlich. Wenn ich beim Proben länger brauche, überlege ich genau, wo ich etwas herausschneiden kann, damit es am Ende aufgeht. Heute beispielsweise habe mich auf neun Minuten vorbereitet. Als ich mit meiner Rede zum Ende kam, schaute ich auf den Timer, der mir noch 20 Sekunden anzeigte - und ich hatte noch zwei Sätze im Kopf. Da war ich echt stolz.

Haben Sie Rituale rund um Auftritte?

Keane: Ich brauche immer absolute Ruhe vor einem Auftritt, keine Unterbrechung, keine Anrufe, keinen Smalltalk. Ich möchte einfach allein sein, am liebsten backstage in der Dunkelheit, und mich konzentrieren auf das, was gleich auf mich zukommt. Hinterher fordere ich Feedback ein von meinen Kollegen. Wenn es eine Aufzeichnung gibt, zwinge ich mich, sie anzusehen - auch wenn ich das hasse. Und ich frage mich: Was war gut, und wo kann ich noch besser werden? Was lerne ich aus diesem Auftritt fürs nächste Mal?

Dieses Interview ist Teil unseres Schwerpunkts "Perfekt Präsentieren" im aktuellen Harvard Business Manager.

Jim Keane
  • Copyright: Steelcase
    Steelcase
    Jim Keane ist Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Büromöbelherstellers Steelcase.
Ausgabe 2/2019


Perfekt Präsentieren

So überzeugen Sie mit Ihrem Auftritt - vor Kunden, Kollegen, Vorgesetzten und auf der großen Bühne

Artikel
© Harvard Business Manager 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
Die neuesten Blogs
Nach oben